Mode 1916 - 1917

Tänzerin Edith Gounod in einem blau-weiß karierten Foulardkleid mit weißen Knöpfen — Elegante Welt Nr. 12, Juni 1917. Foto: Atelier Ernst Schneider, Berlin
Sommerkleider aus Jaquard-Seide, besticktem Schleierstoff und mit Blüten bedruckter Seide Perry Dame & Co. Frühjahr/Sommer 1916, S. 18
Leichte, legere Sommeranzüge für den Herrn National Cloak & Suit Co. Frühjahr/Sommer 1917, S. 375
Kostüme für die Stadt aus Woll-Popeline, Wollgemisch und Woll-Serge Perry Dame & Co. Frühjahr/Sommer 1916, S. 75

Die Kleidermode der Kriegsjahre unterscheidet sich auffällig von der geltenden Mode bis 1914. Die Mode der Jahre 1916/17 wird bestimmt von der Kriegskrinoline, die sich durch einen sehr weit ausgestellten Rock auszeichnet und den zum Saum hin immer enger werdenden Humpelrock ablöst. Unter dem eigentlichen, gestärkten Rock befinden sich weitere Unterröcke, die den obersten Rock stützen und so die Weite des Kleides herstellen. Stufenröcke und Volants unterstützen die Weite zusätzlich.

Die kurze und enge Taille der Vorkriegsjahre bleibt unverändert bestehen. Für die Sommermonate werden leichte Stoffe wie Seide oder Georgette für Flanierkleider bevorzugt, während Wollstoffe für Kostüme am gängigsten sind.

Kürzere Röcke bringen Schuhe ins Blickfeld

Ungewöhnlich kurz sind nun die Rocksäume: erstmals enden die Säume einige Zentimeter oberhalb der Knöchel. Jedoch wird mit dunklen oder weißen Seidenstrümpfen, welche meistens in derselben Farbe wie die Schuhe gehalten sind, versucht, die Nacktheit zu kaschieren und somit den Anstand zu wahren. Getragen werden Schnürstiefel oder Pumps mit niedrigem bis mittel hohem und breitem Absatz. Öfter sieht man auch Pumps mit Gamaschen.

Die weiten und nun kürzeren Röcke geben mehr Bewegungsfreiheit als es die Humpelröcke vermochten. Für die Arbeit in landwirtschaftlichen Betrieben und der Industrie ist die neue Mode einerseits viel praktischer und andererseits auch notwendig, da die aktuelle Mode funktionaler und nüchterner gestaltet ist um den gegeben Umständen Rechnung zu tragen.

Der Pagenschnitt als neue Frisur

Auch die Zeit der aufwendigen Frisuren neigt sich dem Ende entgegen: erstmals finden Kurzhaarfrisuren wie der Bob Anklang. Wegbereiterinnen wie z.B. die in Amerika berühmte Tänzerin Irene Castle wagten schon bereits vor dem Ersten Weltkrieg den Schritt zur Kurzhaarfrisur. Es regt sich jedoch starker Widerstand gegen diese noch vermeintlich unweibliche Attitüde, der noch bis weit in die 1920er Jahre anhalten wird.

Abendmode 1916/17

Für die Abendmode der Kriegsjahre 1916/17 ist dezente und auf den Anlass abgestimmte Fest- und Gesellschaftskleidung in taktvoll gewählten, stillen Farben angemessen, unter denen Schwarz ohne Frage den obersten Rang inne hat. Allerdings hat sich der Grund der Festlichkeiten und Empfänge grundlegend geändert, wie die Ausgabe Nr. 2 der Eleganten Welt vom Januar 1917 feststellt:

„Wenn man in den schönen Friedenszeiten von Festkleidern sprach, stiegen vor dem geistigen Auge prächtige heitere Feste auf, Stunden, der sorglosen Freude gewidmet […]. Die Feste, die heute stattfinden, tragen meist einen anderen Charakter. Sie stehen im Dienste der Wohltätigkeit und sollen dazu beitragen, den Ernst der Zeit für wenige Stunden vergessen zu helfen.“

Unterschiedliche Rocklängen - kurz, also knapp oberhalb der Knöchel, oder knöchellang - sind für das Abendkleid möglich. Vereinzelt finden sich auch Kleider mit Schleppe. Leichte Stoffe wie Taft und Tüll, gepaart mit glänzender Seide bieten die Grundlage für die stilvolle Abendgarderobe, die mit kostbarer Spitze aus deutscher Produktion und klassischen Motiven gern angereichert wird.


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