Heft Nr. 6, 0 1929

Herrenmode aus der Herbst/Winter Ausgabe des Firmenmagazins Hänsel-Echo Nr. 6 von 1929.

Seiten insgesamt: 16 (7 online)


Titelseite der Herbst/Winter Ausgabe des Firmenmagazins Hänsel-Echo Nr. 6 von 1929.
Zeichnung: Harald Schwerdtfeger.
Wichtigster Bestandteil der Herrengarderobe ist der Sakkoanzug. Die modische Silhouette des Sakkos im Herbst 1929 zeigt sich in breiten Schultern, die nicht eckig, aber auch nicht rund gepolstert sind, einer gut betonte Taille und gleitenden Hüften. Die Revers sind gerade oder steigend, stets aber weit ausladend, gearbeitet. Die Brusttaschen - für Stecktücher - ist schräg eingeschnitten. Ob der Herr lieber einen Einreiher oder einen Zweireiher trägt ist seinem persönlichen Geschmack überlassen.
Kammgarne, glatt, gemustert oder angeraut, feste und lockere Gewebe wie Saxons, schwere Gabardine und Cheviots sind die bevorzugten Stoffe der Saison. Karos, Punkte, Sprengel, Melangen, Figurendessins und Steifen in ausgesprochen kleinen Musterungen werden bevorzugt.
Zeichnung: Harald Schwerdtfeger.
Für besondere private oder offizielle geschäftliche Besuche, sowie bei kleineren Essen oder zum 5-Uhr-Tee wird der kombinierte Anzug - ähnlich dem Stresemann - getragen. Dieser besteht aus einer schwarzen Jacke, einer schwarz-weiß gestreiften oder silbernen Hose, die auf jeden Fall mit einer hellen, zweireihigen Weste getragen werden sollte.
Noch festlicher wirkt natürlich der Cutaway (Bildmitte). Der Cut wird nur mit gestreifter Hose getragen. Das Jackett wird mit einem durchgeknöpften Knopf getragen. Der Schoß sollte möglichst schmal geschnitten sein und gefällig fallen; Ausnäher an Taille und Schoß geben dem Jackett eine bessere Form. Im Rücken befinden sich über der geteilten Schoßfalte zwei Zierknöpfe in Taillenhöhe.
Zeichnung: Harald Schwerdtfeger.
Für den Abend sind Smoking und Frack unentbehrlich. Der Smoking ist für gewöhnlich einreihig und wird auf einem Knopf geschlossen. Ähnlich den Sakkos für den Tag sind auch hier die Revers sehr breit. Allerdings sind die Revers des Smokings und des Fracks oftmals mit glänzender Seide besetzt.
Der Frack wird mit drei Knöpfen gearbeitet. Die Vorderteile stehen etwa 20cm auseinander. Die Schöße sind so schmal und liegen so weit hinten, dass der Herr ohne Probleme die Hände in die Taschen stecken kann.
Die Westen für Smoking und Frack sind meist aus Leinenbatist oder Waschleinen.
Zeichnung: Harald Schwerdtfeger.
Straßenpaletots. Die Grundform des Staßenpaletot entspricht dem Chesterfield. Er wird mit verdeckter Knopfleiste gearbeitet, unter dem 3 Knöpfe sitzen. Fein melangierte Stoffe in Meltongeweben oder in nicht zu glatten Cheviots, die auch in sich gemustert sein können, werden mit Vorliebe verwendet.
Zweireihige Paletots werden in dunklen Stoffen mit Seidenfutter und Samtkragen gearbeitet. Bei schlanken Figuren (erstes Paletot) kann auch ein Durchschnitt an der Taille gearbeitet werden.
Zeichnung: Harald Schwerdtfeger.
Der Ulstermantel wird aus schweren und derben Stoffen gearbeitet. Er erhält nicht zuletzt seine wuchtige Form durch seinen Schnitt. Die Revers werden groß und mächtig geformt. Beliebt ist immer noch der Raglanschnitt (die Ärmel setzen hier bereits am Kragen an). Der Raglanmantel (hellbraunes Modell) wird immer ohne Gürtel gearbeitet.
Die meistverarbeiteten Ulsterstoffe sind dicke Veloursstoffe, Flausche, schwerste Tweeds. Große Muster und starke Farben sind erlaubt.
Zeichnung: Harald Schwerdtfeger.
Für den Sport kommt nur der Knickerbocker-Anzug (Plusfour-Anzug) in Frage. Die Grundlinie der Jacke entspricht dem des Sakkos, ist aber sportmäßig bequemer und zweckdienlicher gearbeitet. Im Rücken eingearbeitete Falten springen aus und geben jeder Bewegung Raum. Große Taschen werden dem Sportsakko aufgearbeitet. Zeichnung: Harald Schwerdtfeger.
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